Grefrath denkt an Mirco

Veröffentlicht auf von bunnys-wonderland.over-blog.de

Bereits um 17.35 Uhr ist die St. Laurentius-Kirche im Grefrather Ortskern bis in die hintersten Reihen gefüllt. 700 Menschen passen hinein. Es wird noch rund eine Stunde dauern, bis der Gottesdienst für Mirco beginnt, doch die Gemeinschaft gibt Halt. Links neben dem Altar ist ein überlebensgroßes Bild von Mirco aufgestellt, einige Besucher treten nach vorne, sprechen ein paar leise Worte, verneigen sich vor dem Bild des Jungen, der auf den Tag genau vor fünf Monaten aus ihrer Mitte gerissen wurde. Obwohl mehrere hundert Menschen im Gotteshaus sind, ist die Stille fast greifbar.

 

Auch der Platz vor der Kirche ist von einer sakralen Stimmung erfasst – obwohl hier noch einmal rund 500 Personen versammelt sind. Die Gruppe, die im Internet das Forum "Eine Kerze für Mirco" gegründet hat, verteilt Luftballons, auf denen in schwarz "Ruhe in Frieden, Mirco" geschrieben ist. 500 wurden angefertigt, mehr wurden nicht genehmigt. Sie sind weiß, die Farbe der Unschuld, unschuldig wie Mirco. Um kurz nach 18 Uhr steigen sie in den dunkelblauen Abendhimmel. Das Glockenspiel vom eingerüsteten Turm der Laurentius-Kirche spielt: "Der Mond ist aufgegangen." Im Anschluss werden Kerzen entzündet.

 

Pünktlich um 18.30 Uhr beginnt der Gottesdienst, der auf die Leinwand am Marktplatz übertragen wird. Pfarrer Johannes Quadflieg begrüßt alle Anwesenden und an den Bildschirmen die Familie Mircos sowie die weiteren Zuschauer. Er erinnert an den 26. Januar, als es die Gewissheit gab, dass Mirco nicht mehr lebt. "Nicht nur mir ging es durch Mark und Bein, dass ein junges Leben Opfer eines Starken wurde." Doch der Pfarrer spendet nun Trost: "Mirco ist vielleicht aus unseren irdischen Augen genommen, aber als christlicher Pfadfinder, der er war, dürfen wir erahnen, dass Gott ihn am 3. September in sein Reich des Erbarmens genommen hat." Es lasse sich erahnen, dass "wir Mirco nicht aufgeben müssen, sondern dass er lebt, in dir, dem Ursprung allen Lebens". Dann ruft Quadflieg die Menschen zur Vergebung auf: Sie sollen nicht Böses mit Bösem vergelten.

Als später Mirijam Sprengers "Du hast uns nicht verwöhnt" singt, rührt das die Menschen auf dem Marktplatz zu Tränen – junge Mädchen in der ersten Reihe drücken Taschentücher an die Augen, erwachsene Männer wischen sich verstohlen über die Gesichter.

 

Roman Siewert, Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, der Mircos Familie angehört, hält die Predigt, die besonders durch den emotionalen Brief von Mircos Familie die nächste Welle der Anteilnahme hervorruft. In den späteren Fürbitten wird auch der Gemeinde gedacht, Pfarrer Dr. Wilhelm Kursawa sagt: "Die Gebete haben uns Mirco nicht zurückgegeben, aber sie haben uns Halt gegeben." Weitere Fürbitten gibt es für Mircos Familie und den Täter: "Hilf' zu heilen, was gebrochen ist."

 

Arne Thummes steht als evangelischer Pfarrer aus Schwalmtal für die Gemeinde, in der der mutmaßliche Mörder wohnte. Er betont in seiner Fürbitte: "Wir Schwalmtaler leben in tiefer Verbundenheit mit den Menschen in Grefrath. Gott hilf', dass sie zur Ruhe finden, dass Wunden heilen und Vertrauen wächst." Um 19.29 Uhr endet der Gottesdienst, in dem die Gemeinde mit rund 1200 Menschen von Mirco, einem der ihren, Abschied genommen hat.

 

 

Ruh in Freiden

 

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